Gottgewollte Verstümmelung?

Um 1450 entdeckte der sizilianische Wundarzt Branca die „indische Methode“ zur Nasenrekonstruktion und führte sie in zahlreichen Operationen durch. Sein Sohn Antonio entwickelte eine neue Methode, den gestielten Armlappen (Distanzlappen). Statt Gewebe aus der Stirn zu entnehmen, wurde bei dieser „italienischen Methode“ nun aus dem Oberarmgewebe eine neue Nase geformt. Anders als im alten Indien wurde eine Nasenplastik im 15. Jahrhundert hauptsächlich wegen duell- oder kriegsbedingter Verstümmelung, aber auch beim syphilitischen Zerfall der Nase vorgenommen.

Antonio Branca hielt seine neue Methode streng geheim. Erst 1597 beschrieb der italienische Chirurg Gasparo Tagliacozzi den Armlappen neben weiteren Operationen in seinem Buch „De Curtorum Chirurgia per Insitionem“. Die Veröffentlichung gilt als Grundstein der modernen Plastischen Chirurgie und erweckte bald das Interesse der Kirche. Nach ihrer Meinung waren Verstümmelungen gottgewollt und sollten daher vom Menschen nicht korrigiert werden. Für Tagliacozzi begann ein aussichtsloser Kampf gegen einen übermächtigen Gegner. Noch nach seinem Tod verdammten die Kirchenfürsten seine Seele, exhumierten seine Leiche und verscharrten sie außerhalb des Friedhofs.

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