Todesfall bei Glutealvergrößerung: Vorsicht bei der Arztwahl!

Berlin, 05.07.2019 – Am 2. Juni verstarb offenbar eine Patientin in Düsseldorf bei einer Glutealvergrößerung – umgangssprachlich auch als Po-Vergrößerung oder auch Brazialian Butt Lift (BBL) bezeichnet. Wie die BILD Zeitung berichtet, wurde sie offenbar von einem Internisten, also einem nicht chirurgisch weitergebildeten Mediziner, behandelt.  „Die Glutealaugmentation hat mit 1 zu 3.000 Fällen die höchste Todesrate bei allen ästhetischen Eingriffen und ist damit am gefährlichsten für die Patientinnen“, erklärte Prof. Dr. Riccardo Giunta, Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), umso wichtiger sei es, einen qualifizierten, entsprechend ausgebildeten Chirurgen zu wählen. „Die Qualifikation Plastischer Chirurgen ist mit 6 Jahren Weiterbildung, einem nachzuweisenden Operationskatalog und einer Prüfung durch die Landesärztekammern umfassend und sie wissen, wie sie bei etwaigen Komplikationen reagieren müssen, um Patienten schnell helfen zu können“ erläutert Giunta und ergänzt, das Plastische Chirurgen in ihrer Weiterbildung, anders als andere Facharztgruppen, die Fettabsaugung erlernt und weitreichende anatomische Kenntnisse am gesamten Körper erworben hätten.

Fettembolie droht
Bereits im Sommer 2018 hatte ein internationales Konsortium plastisch-chirurgischer Fachgesellschaften vor einer erhöhten Todesrate bei Glutealvergrößerung gewarnt, die DGPRÄC ihre Mitglieder entsprechend informiert. Bei der Operation saugen Ärzte das Fett von Stellen ab, an denen es stört und spritzen es in das Gesäß. „In Düsseldorf wird eine Obduktion nun die Todesursache klären. Die Mitglieder des internationalen Konsortiums haben an Obduktionen teilgenommen: alle Autopsien verstorbener BBL-Patienten hatten folgende Befunde gemeinsam: 1) Fett in den Gesäßmuskeln; 2) Fett unter den Muskeln; 3) Schäden an der oberen oder unteren Gesäßvene; 4) massive Fettembolie im Herzen und/oder in der Lunge. Noch keine Autopsie hat einen Todesfall mit Fett im Fettgewebe gezeigt“, berichtet Giunta und schließt: „Das bedeutet, dass Ärzte tiefer gespritzt haben, als sie es beabsichtigt hatten. Als Todesmechanismus wird Hochdruckfett vermutet, das über Risse in den großen Gesäßvenen in den Kreislauf gelangt und anschließend in Herz und Lunge embolisiert.“ Die Folgen sind dramatisch, weil die Patientin zu wenig Sauerstoff bekommt und damit an einer Lungenembolie stirbt.

Nachfrage steigt – das Risiko auch
Die Nachfrage nach Glutealvergrößerung ist in den letzten Jahren stetig gestiegen, nicht zuletzt gefördert durch Prominente Vorbilder. „Es ist unerlässlich, dass sich Interessierte zunächst umfassend informieren, kompetent durch einen Facharzt für Plastische Chirurgie aufgeklärt werden und alle Für und Wider sorgfältig abwägen“, konstatiert Giunta.  Nicht zuletzt können auch sportliche Übungen wie Kniebeugen sowie Ausfallschritte das optische Erscheinungsbild des Gesäßes verbessern und sind bei der richtigen Ausführung absolut harmlos. Alternativ stünden auch Silikonimplantate zur Verfügung. Viele Mediziner, auch ohne allgemeine chirurgische oder spezielle plastisch-chirurgische Kenntnisse, bieten diese Art von Eingriffen aufgrund des immer größer werdenden Interesses ohne weitreichende Kenntnisse und Erfahrungen an und erhöhen so das Risiko für die Patientinnen, wie offenbar auch in dem Düsseldorfer Fall. „Wir haben uns diesbezüglich auch an das Bundesgesundheitsministerium gewandt, um dieser zu weit verbreiteten Praxis einen Riegel vorzuschieben“ erläutert Giunta. Die DGPRÄC rät daher dringend dazu, sich an einen Plastischen Chirurgen zu wenden, diese sind etwa unter www.plastische-chirurgie.de zu finden und erneuert ihre Forderung an den Gesetzgeber dafür zu sorgen, dass auch bei Selbstzahlerleistungen, wie ästhetischen Eingriffen, Patienten vor nicht qualifizierten Operateuren geschützt werden.