Düsseldorf – „Die operative Nasenkorrektur (Rhinoplastik) gehört zu den anspruchsvollsten Eingriffen der plastischen und ästhetischen Chirurgie, entsprechend bestand ein Großteil meiner Arbeit seit jeher in der Korrektur vorheriger, operativer Eingriffe“, berichtet Dr. Nuri Alamuti einleitend. Ein recht neues Phänomen, dass ihm zunehmend Sorge bereite, seien operative Eingriffe nach vorheriger Nasenkorrektur durch Hyaluronsäurefiller, auch „Liquid Rhinoplasty“ genannt. Die Eingriffe seien deutlich erschwert, der operative Verlauf unvorhersehbar und anders als häufig dargestellt, sei auch die Erstbehandlung durchaus risikoreich.
Kleiner Stich, keine Gefahr?
„Für Patientinnen und Patienten ist die Vorstellung verlockend, keine Ausfallzeit, keine Narkose, sofort sichtbare Ergebnisse und deutlich geringere Kosten“, fasst Alamuti zusammen. Gehäuft stelle er diese verharmlosende Darstellung des Eingriffs in den Sozialen Medien fest. Das Versprechen der Anwender: Der Filler löse sich wieder auf, so könne die Nasenform immer wieder variiert werden, weshalb der Eingriff auch als Probelauf für eine spätere, operative Korrektur genutzt werden könne, die Risiken seien dabei minimal. „Dabei gelten Hyaluronsäure-Filler in der Nase als eine der risikoreicheren Filler-Anwendungen, da die Nase eine komplexe und dichte Gefäßversorgung hat ist das Komplikationspotenzial besonders hoch“, berichtet Alamuti und benennt die schwerwiegendsten Risiken:
- Vaskuläre Okklusion (Gefäßverschluss): Wird Filler versehentlich in ein Gefäß statt daneben injiziert, kann er Blutgefäße verstopfen.
- Hautnekrose: Als Folge einer Gefäßokklusion kann die Durchblutung der Haut unterbrochen werden, was zu Gewebeabsterben führen kann – meist an der Nasenspitze oder den Nasenflügeln.
- Erblindung: Sehr selten, aber dokumentiert. Die Nasenregion hat Gefäßverbindungen zur Augenarterie; gelangt Filler dorthin, kann es zu plötzlichem, teils dauerhaftem Sehverlust kommen. Dieses Risiko ist bei der Nase höher als bei den meisten anderen Filler-Bereichen im Gesicht.
Daneben könne es zu weniger dramatischen Nebenwirkungen kommen, die Patientinnen und Patienten dennoch stark belasteten, darunter vor allem der Tyndall-Effekt, ein bläulicher Schimmer durch zu oberflächlich sitzendes Material, Schwellungen, Rötungen, Blutergüsse, Asymmetrie oder unregelmäßige Konturen, Überkorrektur, die auf den Blutfluss drückt, Granulome oder Knötchenbildung (selten, teils erst nach Monaten oder Jahren) sowie allergische Reaktionen (selten bei modernen HA-Fillern).
Unterschätzte Langzeitfolgen
„Hinzu kommt, dass spätere operative Eingriffe nach meiner Erfahrung meist deutlich erschwert sind“, berichtet Alamuti. Häufig fänden sich auch noch Jahre nach der Injektion während der Operation Fillerreste, wurde der Filler zuvor mit dem Enzym Hyaluronidase aufgelöst, komme es nach seiner Erfahrung zu einer gewissen Zerfließlichkeit des Bindesgewebes sowie des Perichondriums, einer straffen Schicht aus spezialisiertem Bindegewebe, welches die Oberflächen von Knorpelgeweben bedeckt. Sie ist durch Kollagenfasern mit dem Knorpelgewebe fest verbunden. „Das ist intraoperativ durchaus problematisch, da das Gewebe nicht mehr vorhersehbar reagiert“, so Alamuti. Entsprechend müssten häufig während der Operation vom Standard abweichende Lösungen gefunden werden, die das Risiko erhöhten und teilweise zu Lasten eines optimalen Ergebnisses gingen. „Wir sind noch dabei zu belegen und zu verstehen, was Hyaluronsäurefiller und Hyaluronidase kurz- und langfristig mit unterschiedlichen Gewebestrukturen machen. Aus meiner operativen Erfahrung möchte ich eindringlich davor warnen, diese Eingriffe als unkompliziert und reversibel zu betrachten“, schließt der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und mahnt, sich in jedem Fall nur in die Hände von fachärztlich ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen zu begeben, die ein tiefes Verständnis der komplexen anatomischen Strukturen im Gesicht und hier vor allem der Nase haben.